Doping: Alles wartet jetzt auf Jan Ullrich |
24.05.2007Doping: Alles wartet jetzt auf Jan Ullrich Essen (ots) - Sie stand da wie fr die Ewigkeit festgezimmert. Doch pltzlich, ausgelst durch ein vergleichsweise kleines Beben, wankt die Mauer die Schweigens. Seit ein ehemaliger Mannschafts-Masseur und ein frherer Profi der B-Kategorie enthllt haben, dass die medizinische Manipulation im Radsport-Team Telekom geradezu systematisiert worden ist, kommt hektische Betriebsamkeit in die Doping-Szene. Ein Schweiger nach dem anderen fllt um, als wren es Dominosteine. Tglich lst sich ein weiteres Brckchen aus der ehernen Wand, die von verlogenen Fahrern und heuchelnden rzten hochgezogen wurde. Selbst ein Publikums-Liebling wie Erik Zabel, der ber Jahre hinweg den Saubermann gab, gestand den verteufelten Missbrauch. Wurden Zweifler und Kritiker, die seit Jahren mehr oder minder offen an der Reinheit des Leistungssports zweifelten, von dmmlichen Dementis und platten Ausreden verrgert, so staunen sie jetzt ber die kollektive Redseligkeit, die sich vor allem bei ehemaligen Stars des Teams Telekom uert. Und die Fragen aufwirft nach der Strategie, der Taktik, dem Hintersinn des Hauptsponsors, der gerade jetzt ja auch in seinem Haupterwerbszweig ziemlich von der Rolle ist. Der Bonner Konzern muss frchten, im Konkurrenzkampf um die Kunden schwer unter die Rder zu kommen. Tausende von Mitarbeitern, die um die Arbeitspltze frchten, gehen streikend auf die Stae. Vorstandschef Rene Obermann steht im Wind und will das Projekt Radsport, das mittlerweile unter T-Mobile firmiert, unverdrossen durchziehen und finanziell untersttzen. Aber wo ist der Zugewinn? Kann ein Team, das sich ber ein Jahrzehnt lang als Musterknabe, als ein Ausnahme-Objekt der vom Doping verseuchten Szene feiern lie und jetzt als Prgelknabe den Rcken hinhalten muss (und offenbar auch will), das Image des Sponsors aufbessern? Aus ehemaligen Superstars wie Rolf Aldag, Christian Henn und Erik Zabel, die als strahlende Helden gefeiert wurden, sind kleinlaute Snderlein geworden, die sich unter Trnen zu ihrem Fehlverhalten bekannt haben. Doch einer fehlt noch, ausgerechnet der Grte im ehemaligen Radsport-Verbund des gestutzten Bonner Kommunikations-Riesen: Jan Ullrich bleibt stumm. Der erste deutsche Tour-de-France-Gewinner, der Olympiasieger von Sydney 2000, zeitweilig ein Jahrhundert-Idol deutscher Fans, bleibt weiterhin auf Tauchstation. Wann endlich wird auch er begreifen, dass Schweigen nicht Gold sein muss, sondern dass jetzt nur noch Reden hilft? Leitartikel von Hans-Josef Justen
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