27.10.2006
Werder spielt in Mainz um ein weiteres Reifezeugnis
Bremen (ots) - Werders Gastspiel beim 1. FSV Mainz 05 könnte eine
Prüfung werden. Getestet wird die Reife des Tabellenführers, das
Auftreten bei Teams aus den unteren Tabellenregionen.
Das Reifezeugnis würde, Bestehen vorausgesetzt, in Form von drei
Bundesligapunkten feierlich am Freitagabend gegen 22.20 Uhr im
Mainzer Stadion am Bruchweg ausgestellt. Als angemessene
Feier-Gesellschaft reisen 2.500 Werder-Fans nach Mainz. Werders
Geschäftsführer Klaus Allofs hat keine Zweifel, dass die Mannschaft
mit der Prüfungssituation fertig wird: "Wir sind sehr sicher, dass
die Mannschaft diese nächste Stufe erklommen hat, mit der Aufgabe
umgehen und sie souverän bewältigen kann." Wieder schaut Werder also
auf sich. Wichtig ist nur, wie man selbst die Aufgabe angeht - die
Kräfteverhältnisse in der Liga betrachtet Allofs ganz unaufgeregt:
"Nun werden wir mal gejagt. Aber die Situation ist ja nicht neu.
Spiele gegen Werder sind keine normalen Spiele mehr. Gegen uns
anzutreten, ist für viele Mannschaften ein Feiertag."
Die Mainzer möchten diesen Feiertag gern zur Trendwende nutzen.
Der Saisonstart war ihnen recht gut gelungen, einem Heimsieg zum
Auftakt gegen Bochum folgten Punktgewinne in Dortmund und gegen
Frankfurt. Doch genau genommen haben sie seit dem 2:1 im ersten Spiel
keine weitere Partie gewonnen, sieben Mal in Folge also. Zuletzt
gegen Aachen und in Bielefeld wurde sogar verloren. "Im Abstiegskampf
haben wir Erfahrung", sagt der Mainzer Trainer Jürgen Klopp, der aber
nachschiebt: "Ich habe vor der Saison den Fehler gemacht, den
Klassenerhalt nicht als Saisonziel auszugeben. Das habe ich in den
zwei Jahren zuvor auch nicht getan, aber da war es sowieso jedem
klar." Der FSV, nach einigen vergeblichen Versuchen 2004 in die
Bundesliga aufgestiegen, hatte die ersten beiden Saisons jeweils auf
einem starken 11. Rang beendet. Das würdigt Werder-Cheftrainer Thomas
Schaaf: "Sie haben ihre Position in der Liga gefunden und konnten in
den letzten Jahren auf sich aufmerksam machen." Zum Beispiel mit
einem 2:1 in ihrem 8. Bundesligaspiel gegen Werder und mit einem 0:0
in Bremen in der Rückrunde der Saison 2004/2005.
Im vergangenen Jahr unterlagen die selbsternannten "Spaßfußballer"
aus Rheinland-Pfalz aber zwei Mal klar dem Vizemeister: 0:2 und 2:4.
Das letztgenannte Spiel im Weser-Stadion hatte einen besonderen
Protagonisten: Noch bevor eine Minute gespielt war, hatte Mohamed
Zidan für die Gäste getroffen, ausgerechnet der Leihspieler von
Werder. Heute steht er wieder im Kader des Tabellenführers, doch in
Mainz weint man ihm mehr als eine Träne nach: "Für ihn ist bei uns
immer ein Platz frei", sagt stellvertretend FSV-Manager Christian
Heidel. Doch der kleine Ägypter, der für Mainz neun Tore schoss, will
sich in Bremen durchbeißen, vielleicht schon am Freitag. Thomas
Schaaf ist sich sicher: "Er fühlt sich in Bremen wohl. Und wenn er
für Bremen in Mainz zum Einsatz kommt, wird er sich auch wohl
fühlen."
Neben Zidan mussten die 05er auch die Abgänge von Niclas
(unbekannt) und Dennis Weiland (Braunschweig), Benjamin Auer
(Bochum), Tom Geißler (Aue), Tamas Bodog (Karriereende) und Mathias
Abel (Schalke) kompensieren. Mit Michael Thurk, der sich spät für
Eintracht Frankfurt entschied, und Antonio da Silva, der nach
Stuttgart ging, fielen fast alle Stützen in der Offensive weg. Klopp
und Heidel holten dafür Edu aus Bochum, Imre Szabics aus Köln und
Mimoun Azaouagh aus Schalke, Spieler wie Tobias Damm und Fatmir
Pupalovic rückten aus der Jugend auf. Mittelfeld und Abwehr wurden
zudem mit Ralph Gunesch (St. Pauli), Du-Ri Cha (Frankfurt), Markus
Feulner (Köln) und Bakary Diakité (Wehen) aufgewertet. 7:11 Tore hat
das neue Team bisher verbucht, mit sieben Punkten steht Mainz auf
Platz 15.
Thomas Schaaf betrachtet diese Bilanz nüchtern: "Die Mainzer
spielen nun mal meist gegen den Abstieg, mal sind sie in einer
besseren, mal in einer etwas schwierigeren Situation." Dennoch geht
von der Konstellation auch eine Gefahr aus: "Auf uns freuen sie sich,
da können sie sich beweisen, vielleicht sogar frei spielen. Sie
werden alles ins Rennen werfen, jetzt erst recht alles versuchen."
Was Mainz noch zu bieten hat, zählt er präzise auf: "Die Tugenden
Kampf, Einsatz und Bereitschaft, aber auch fußballerisch einiges, das
sich in den letzten Jahren entwickelt hat." Seiner Mannschaft will
Schaaf vermitteln, dass sie sich konzentriert wie gegen die Bayern,
Mainz ernst nimmt wie die Bayern und wie gegen die Bayern die
grün-weißen Qualitäten durchsetzt, und zwar "wieder gleich von Anfang
an". Spiele gegen Teams wie Bochum und Mainz nennt Schaaf die
"anderen Spiele". Doch er weiß genau, dass gerade in diesen Prüfungen
die wichtigen Reifezeugnisse erreicht werden können.
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