Deutschland kann stolz sein |
10.07.2006
Deutschland kann stolz sein
Leipzig (ots) - Von Winfried Wchter Sein Ja zum Weitermachen, damit er als Bundestrainer erhalten bleibt und dabei am besten gleich noch fr den Schwung sorgt, um nicht nur den Fuball, sondern noch anderes im Land zu reformieren, das unbedingt auf Vordermann gebracht werden muss. Ein bisschen viel fr einen bungsleiter. Aber sein Beispiel hat fr Bewunderung gesorgt bei dieser WM, weil er seinen Weg so konsequent gegangen ist, dabei jede Menge Rckschlge und Nackenschlge kassierte und am Ende doch triumphierte. Zwar nicht als Weltmeister, aber ein dritter Platz lag vorher auch in eigentlich unerreichbarer Ferne. Dass sich die Deutschen, die ansonsten nur ihre Sieger verehren, darber freuen, ist erstaunlich genug und Klinsmanns Verdienst. Er lie Fuball spielen, der nicht auf Abwarten, sondern auf Angriff setzte. Jungen Leuten, die noch vor zwei Jahren nur Experten kannten, streifte er das Nationaltrikot ber. Sie wuchsen hinein und dankten ihm das Vertrauen. So war die Freude ber dieses Abschneiden grer als ber den zweiten Platz vor vier Jahren, als sich die deutsche Elf eher ins Finale schummelte, um dort allerdings ihre beste Leistung zu zeigen. Die Fanfeste erwiesen sich als Renner und erzeugten eine Atmosphre fast wie in den Stadien - so viel Stimmung lie keinen kalt. Erst recht, da die befrchteten Randale ausblieben, sich die Deutschen als freundliche Gastgeber erwiesen und ihre Stadien in den hchsten Tnen gelobt wurden. Deutschland kann stolz sein auf diese WM und auf seine Mannschaft. Wenn Klinsmann jetzt, da ihm alle auf die Schulter klopfen, mit seiner Verlngerung zgert, ist das nur zu verstndlich. Er kennt die Halbwertszeit seines Berufes, auch ohne Physiker zu sein. Jeder, auch Klinsmann, ist zu ersetzen. Aber jeder hinterlsst Spuren. Die von Klinsmann sind deshalb besonders gro, weil er es geschafft hat, den am Boden liegenden deutschen Fuball wieder in die Weltspitze zurck zu fhren und dabei alle Nrgler und Zweifler verstummen zu lassen. Wendehlse feiern in diesen Tagen frhliche Auferstehung und wissen nichts mehr davon, dass sie den Schwaben noch vor einem Vierteljahr am liebsten zurck nach Kalifornien geschickt htten. Die dank deutscher Grndlichkeit zu erwartende perfekte Organisation der WM schien mit dem vielfach prognostizierten sportlichen Desaster des Gastgeber-Teams zu kollidieren. Das aber passierte nicht, es passte alles. Da spielte kaum eine Rolle, wenn der gebotene Fuball mitunter vor lauter taktischer Vorgaben langweilig daherkam. Klinsmanns Truppe agierte anders und bewies: Deutschland ist besser als sein Ruf. Nicht nur im Fuball.
Startseite Sport-finden
|