04.06.2006
IOC-Präsident Rogge fordert mehr Fairplay im Fußball
Berlin (ots) - Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen
Olympischen Komitees (IOC), fordert mehr Fairplay im Fußball.
Im Gespräch mit dem "Tagesspiegel am Sonntag" sagte Rogge: "In meiner
Sportart Rugby gibt es viel härteren Körperkontakt. Aber die Spieler
würden sich danach nie über den Rasen rollen und ein Drama daraus
machen." Als gutes Beispiel nannte Rogge das Verhalten von Arsenals
Trainer Arsène Wenger, der nach einem simulierten Foul im
Champions-League-Finale seinen Spieler Eboué dafür öffentlich
kritisiert hatte. "So sollte es sein. Ich würde mir das viel öfter
wünschen", sagte Rogge.
Im Kampf gegen Doping kommt der Sport nach Ansicht des
IOC-Präsidenten nicht mehr ohne die Hilfe des Staates aus: "Die
Zusammenarbeit mit den Regierungen ist der Schlüssel im Kampf gegen
Doping." Denn Doping sei ein gesellschaftliches Problem. "Der Kampf
gegen Doping ist nur die Spitze des Eisbergs, er muss im Zusammenhang
mit dem Drogenmissbrauch in der gesamten Gesellschaft gesehen werden,
gerade unter Jugendlichen." Es seien oft dieselben krimenellen
Kreisen die ihre illegalen Substanzen im Sport und im Freizeitbereich
vertreiben.
Rogge forderte daher die Regierungen auf, ihre gesetzlichen
Möglichkeiten zum Kampf gegen Doping zu überprüfen. Zu den
notwendigen Maßnahmen könne auch gehören, dass der Besitz von
Anabolika ohne medizinische Indikation bestraft wird. Es könne auch
nicht sein, dass Produkte wie Erythropoietin frei verkauft werden.
"Wenn der Staat ein Gesetz hat, das den illegalen Einsatz von
Dopingmitteln eindeutig verbietet, sind wir zufrieden. Denn dann kann
der Staat eingreifen gegen Leute, die Dopingmittel schmuggeln. Wenn
man aber kein starkes Gesetz hat, wird niemand sie aufhalten können."
Enttäuscht ist Rogge von viele Regierungen, die bislang nicht die
Unesco-Konvention unterzeichnet haben, um den Wada-Code nationales
Recht werden zu lassen. "Von 185 Staaten, die das versprochen haben,
haben bisher erst 13 unterzeichnet. Dabei war es die Vereinbarung,
dass sie es alle vor den Spielen in Turin tun. Das ist kein gutes
Zeichnen für den Sport." Auch müsse es von vielen Ländern in der
Karibik, der ehemaligen Sowjetunion, aber auch China mehr
Flexibilität beim Erteilen von Visa geben, um ausländischen
Dopingkontrolleuren die Einreise zu erleichtern. "Wir müssen die
Kontrollen in diesen Ländern erhöhen, aber das fängt nicht nur beim
Sport an, sondern auch in der Politik."
Der Kampf gegen Doping bei den Olympischen Spielen in Turin sei
beispielhaft gewesen, allerdings kristierte Rogge am italienischen
Anti-Doping-Gesetz die strafrechtliche Verfolgung von Athleten: "Wir
wollen nicht, dass Athleten, wenn sie positiv getestet sind,
strafrechtlich verfolgt werden. Sie sind schließlich keine Gefahr für
die Gesellschaft, sondern dijenigen, die Dopingmittel vertreiben."
Im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2008 in Peking rechnet
Rogge mit einer Verbesserung der Menschenrechtslage in China. "Die
Spiele werden China für den Rest der Welt öffnen. Es werden mehr als
20 000 Medienvertreter im Land sein, die das Land beschreiben werden.
Das wissen die Chinesen und werden versuchen, ihr Land von der besten
Seite zu zeigen", sagte der IOC-Präsident dem "Tagesspiegel am
Sonntag". Allerdings warnte Rogge vor überzogenen Erwartungen: "Es
wäre unangemessen, vom IOC mehr zu verlangen, als die Regierungen in
den vergangenen 25 Jahren tun konnten. Die Menschenrechte haben sich
in China auf jeden Fall verbessert. Ist die Lage optimal? Nein. Aber
es gibt Hinweise, dass sie sich in die richtige Richtung entwickelt."
Den Kampf der Chinesen gegen Doping hält Rogge für glaubhaft. "Wir
haben Statistiken, dass sie wirklich viel kontrollieren. Sie sind
sehr engagiert, ihre Kontrollabore arbeiten auf einem hohen Niveau
und sie bestrafen jedes Jahr viele Athleten."
Ob Rogge 2009 als IOC-Präsident ausscheidet, oder für eine weitere
Amtszeit bis 2013 kandidiert, will er nach den Spielen in Peking
entscheiden: "Bis dahin ist es genug Zeit. Es ist absolut nicht,
nötig sich vorher zu entscheiden."
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