Nach dem Mega-Transfer: Wohlgemuth bremst Erwartungen – und erklärt Stuttgarts neuen Kurs
Wohlgemuth bezeichnete den Transfer im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland als „historisch“ – und betonte, dass die besondere Gemengelage „wahrscheinlich einmalig“ bleiben werde. Übersetzt heißt das: Stuttgart rechnet nicht damit, demnächst wieder einen Spieler zu einer Summe in diesem Regal zu verkaufen. Denn solche Rekordgeschäfte entstehen selten nur aus sportlicher Entwicklung – sie brauchen Timing, Markt, Bedarf beim Käufer und eine Konstellation, die für den abgebenden Verein am Ende kaum „Nein“ zulässt.
Genau dieses „Nein“ war laut Wohlgemuth diesmal keine echte Option. Der Verkauf sei „aus wirtschaftlichen Erwägungen alternativlos“ gewesen, auch wenn der sportliche Verlust schwer wiege. Der Satz sitzt, weil er klar macht, wie der VfB aktuell denkt: Nicht jeder Transfer ist ein Wunschkonzert – manchmal ist es eine Rechenaufgabe, die man nicht ignorieren kann.
Was Stuttgarts Aussage zwischen den Zeilen bedeutet
Wenn ein Sportvorstand öffentlich so deutlich dämpft, hat das zwei Effekte: Erstens senkt es Erwartungen im Umfeld („Jetzt verkauft ihr doch sicher bald den nächsten für 80+“). Zweitens schützt es intern – denn ein Verein, der nach einem Rekordverkauf ständig den nächsten Rekord „liefern“ muss, läuft Gefahr, seine Kaderplanung an Fantasie-Einnahmen auszurichten. Genau das scheint Stuttgart vermeiden zu wollen.
Für den VfB ist das auch eine Botschaft an den Markt: Stuttgart wird nicht automatisch zum Verkäuferklub, nur weil einmal ein Riesendeal möglich war. Die Logik dürfte künftig eher so aussehen: gezielt entwickeln, punktuell verkaufen, aber nicht regelmäßig die Achse zerlegen. Gerade nach einem Einschnitt wie Woltemade wird die Frage sein, wie schnell der VfB sportlich wieder Stabilität hinbekommt – und ob die Mannschaft ohne den Top-Spieler neue Verantwortungsträger findet.
Sportlich stabil, wirtschaftlich gesund – aber „noch lange nicht fertig“
Unterm Strich zog Wohlgemuth zum Jahresende eine positive Bilanz: In der Bundesliga steht Stuttgart auf Rang sechs, international liegt der VfB in der Europa League auf einem starken neunten Platz. Er erinnerte außerdem daran, wo der Klub vor drei Jahren stand – und dass der VfB sportlich wie wirtschaftlich inzwischen „gesund“ sei.
Und genau hier wird es spannend: Wenn Stuttgart nicht auf den nächsten XXL-Transfer plant, muss Wachstum anders entstehen – über kluge Vertragsarbeit, Scouting, Entwicklung, vielleicht auch über kleinere Verkäufe, die sich summieren. Der VfB bleibt ambitioniert, sagt Wohlgemuth – und legt damit den Maßstab selbst fest: nicht Rekordsummen, sondern Kontinuität.
31.12.2025, Redaktion Sport-Finden.de