Null Toleranz im Skispringen: FIS zieht nach WM-Skandal die Zügel deutlich an
Nach Zajcs Sprung auf Rang zwei folgte der harte Einschnitt: Disqualifikation wegen eines um drei Millimeter zu weiten Anzugs am Bein. Für Andreas Bauer ist der Fall eindeutig. Die Entscheidung sei berechtigt gewesen – und zugleich bewusst ein Zeichen an alle Athleten und Teams. Nach den Ereignissen bei der WM im vergangenen Frühjahr wolle der Weltverband keine Grauzonen mehr zulassen.
Die Konsequenz war unmittelbar sichtbar: Unter anderem profitierte der deutsche Senkrechtstarter Felix Hoffmann, der dadurch vom vierten auf den dritten Platz vorrückte. Für die FIS ist genau das Teil der neuen Realität: Wer nicht regelkonform antritt, fliegt – unabhängig von Namen oder Platzierung.
„Es wird so viel gemessen wie nie zuvor“
Bauer, früher Bundestrainer der Skispringerinnen und heute Vorsitzender der Materialkommission beim Ski-Weltverband, stärkte den Kontrolleuren demonstrativ den Rücken. Chefkontrolleur Mathias Hafele und sein Team würden „einen super Job“ machen. Entscheidend sei, die Linie konsequent durchzuziehen – nicht nur in Oberstdorf, sondern über den gesamten Verlauf der Tournee hinweg.
Nach dem Anzug-Skandal bei der WM in Trondheim, bei dem manipulierte Anzüge norwegischer Springer für massive Kritik gesorgt hatten, setzt die FIS nun auf eine klare Null-Toleranz-Strategie. Das Regelwerk selbst sei dabei kaum verändert worden, wohl aber das Vorgehen der Kontrolleure. Diese agierten härter, professioneller – und unberechenbarer.
Kaum noch Spielraum – Verantwortung liegt beim Athleten
„Es wird jedes Mal etwas anderes kontrolliert. Niemand kann sich darauf einstellen“, erklärte Bauer. Genau dadurch seien frühere Schlupflöcher praktisch verschwunden. Ob bei Zajc Absicht oder Nachlässigkeit vorlag, ließ er bewusst offen. Klar ist für den Weltverband nur eines: Jeder Athlet trägt die Verantwortung für sein Wettkampfmaterial.
Ganz ohne Spielraum sei das System zwar nicht, räumte Bauer ein – doch dieser sei inzwischen extrem klein. Die Botschaft an die Szene ist eindeutig: Wer auch nur minimal über die Grenzen geht, riskiert alles. Die Vierschanzentournee ist damit nicht nur sportlich, sondern auch materialtechnisch ein Wettkampf unter verschärften Bedingungen.
31.12.2025, Redaktion Sport-Finden.de