Digitale Zwillinge bei der WM: FIFA setzt auf KI gegen Abseits-Chaos
Kern der Neuerung ist ein umfassender digitaler Scan aller Spieler der 48 teilnehmenden Nationalteams. Innerhalb von rund einer Sekunde sollen dabei hochpräzise Körperdaten erfasst werden. Aus diesen Informationen entstehen KI-gestützte 3D-Avatare, die jede Bewegung eines Spielers exakt abbilden können – selbst dann, wenn Körperteile verdeckt oder nur schwer erkennbar sind.
Die halbautomatische Abseitstechnik soll dadurch deutlich zuverlässiger werden. Das System verfolgt die Akteure permanent und errechnet Positionen unabhängig von Kamerawinkeln oder Sichtproblemen. Laut FIFA sollen so vor allem Grenzsituationen schneller und klarer aufgelöst werden.
Mehr Transparenz für Fans und Schiedsrichter
Ein weiterer Aspekt ist die Darstellung. Die digitalen Modelle sollen direkt in die TV-Übertragungen und Stadiongrafiken eingebunden werden. Abseitsentscheidungen könnten dadurch für Zuschauer nachvollziehbarer visualisiert werden – mit klaren Linien, Körperachsen und Bewegungsabläufen, statt abstrakter Standbilder.
Erste Tests verliefen aus Sicht des Weltverbandes positiv. Bei einem internationalen Pflichtspiel im Dezember habe das System seine Praxistauglichkeit bewiesen und verlässliche Ergebnisse geliefert. Deshalb soll die Technik nun erstmals bei einem WM-Turnier flächendeckend zum Einsatz kommen.
Eigene Einschätzung: sinnvoll – aber kein Allheilmittel
Der Ansatz ist logisch: Wenn Abseits ohnehin längst eine Frage von Technik und Daten ist, dann sollte diese Technik so präzise wie möglich arbeiten. Digitale Spieler-Modelle können genau das leisten und reduzieren Interpretationsspielräume, die regelmäßig für Frust sorgen.
Gleichzeitig bleibt klar: Auch die beste KI nimmt dem Fußball nicht jede Diskussion. Entscheidend wird sein, wie transparent die Ergebnisse kommuniziert werden und wie schnell die Entscheidungen fallen. Gelingt das, ist der Schritt ein echter Fortschritt. Misslingt es, droht die nächste Technikebene, die Fans eher verwirrt als überzeugt.
Unterm Strich wirkt der KI-Einsatz bei der WM jedoch durchdacht – und ist vermutlich der richtige Weg, um eine der größten Dauerbaustellen des modernen Fußballs weiter zu entschärfen.
06.01.2026, 19:53 Uhr, Redaktion Sport-Finden.de