Ciğerci-Poker in Cottbus: Aus „unrealistisch“ wird plötzlich greifbar
Der 33-Jährige bringt nicht nur Erfahrung aus 70 Bundesliga-Spielen mit, sondern auch genau das Profil, das in Aufstiegssaisons oft den Unterschied ausmacht: Spielkontrolle, Ruhe in hektischen Phasen, saubere Entscheidungen unter Druck. Dass Ciğerci seit dem Sommer ohne Verein war, wirkte lange wie der entscheidende Haken – inklusive der Frage, ob seine Gehaltsvorstellungen in der 3. Liga überhaupt darstellbar sind.
Gerade deshalb galt der Gedanke an eine Verpflichtung im allgemeinen Tenor als schwer realisierbar. Umso auffälliger: Ciğerci hielt sich zuletzt ausgerechnet in Cottbus fit. Und sportlich wäre die Konstellation für Energie doppelt reizvoll, weil in der Lausitz bereits sein Bruder Tolcay Ciğerci seit längerer Zeit für Tore sorgt. Sollte der Deal tatsächlich durchgehen, könnten beide erstmals gemeinsam im Profi-Bereich auflaufen – ein Detail, das dem Thema zusätzlich eine besondere Note gibt.
Transferfenster in der Türkei offen – trotzdem wohl Entscheidung für Energie
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt: Eine offizielle Vereinsmeldung gibt es bislang nicht. Zudem ist das Transferfenster in der Türkei noch bis Freitag geöffnet – damit wäre theoretisch auch kurzfristig noch Bewegung möglich. Nach dem, was aktuell zu hören ist, soll Ciğerci jedoch genau diesen Weg nicht mehr verfolgen und sich stattdessen für Energie entschieden haben – dem Vernehmen nach auch mit der Bereitschaft, finanzielle Abstriche hinzunehmen.
Wollitz warnte selbst: „Das würde den Verein erschüttern“
Spannend ist der Blick zurück in den Januar: Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte Mitte des Monats noch deutlich gemacht, wie heikel ein solcher Transfer für ein Projekt wie Energie sein kann. Sinngemäß stellte er die Frage, ob ein Spieler dieser Größenordnung dem Verein eher hilft – oder ob er nicht genau dadurch ein empfindliches Ungleichgewicht auslöst.
Wenn Ciğerci nun tatsächlich kommt, wäre das ein klares Signal: Energie will den Aufstieg nicht nur verwalten, sondern aktiv absichern. Als Tabellenführer ist die Ausgangslage stark – aber gerade in engen Phasen der Rückrunde kann ein erfahrener Mittelfeldmann die Sorte „Gamechanger“ sein, die Spiele auf eine Seite zieht, ohne dass es immer spektakulär aussehen muss.
Im Winter gab es bei Energie zudem Bewegung im Kader: Vier Spieler verließen den Klub, der junge Abwehrspieler Gianluca Pelzer kam aus Hoffenheim, wurde aber direkt an den VfB Lübeck verliehen. Vor diesem Hintergrund würde Ciğerci sportlich und vom Gewicht her eine ganz andere Kategorie darstellen – und genau das macht die Personalie so brisant.
03.02.2026, Redaktion Sport-Finden.de